Die 10 Gebote zeitgemäß interpretiert

Bernhard Suttner referierte in Roggenburg

Höchst aktuelle und überraschende Interpretationen zu den biblischen 10 Geboten stellte Suttner, Bildungsreferent und Landesbeauftragter der bayerischen ÖDP für Grundsatzfragen in Roggenburg vor: „Auf den ersten Blick scheint dieser 3000 Jahre alte Text nichts zu den großen Problemen des 21. Jahrhunderts – Klimaveränderung, Umweltverschmutzung, soziale Schieflage und Ungerechtigkeit im Welthandel mit den armen Ländern - zu sagen zu haben“ so Suttner. Bei genauerem Nachdenken zeige sich aber, dass die 10 Gebote als Grundgerüst einer Ethik für den Alltag in der modernen Zeit äußerst hilfreich seien. „Wir müssen keine neuen Regeln erfinden; es geht darum, die alten Hinweise zeitgemäß zu interpretieren und endlich ernst zu nehmen!“

Bernhard Suttner sprach auf Einladung des ÖDP-Kreisverbandes Neu-Ulm/Günzburg vor großem Publikum. Unter den Zuhörern waren neben Pater Roman Löschinger auch Krimhilde Dornach, Direktkandidatin der ÖDP im Wahlkreis Neu-Ulm für den Landtag, Bezirksrat Alexander Abt und Ulrich Hoffmann, Direktkandidat der ÖDP für den Bezirkstag."Die 10 Gebote wurden über Generationen hinweg als enges Moralkorsett für privates Verhalten interpretiert" sagte Suttner. Wenn man aber nach den Werten frage, die z.B. durch das 5. Gebot ("Nicht morden!") oder durch das 7.Gebot ("Nicht stehlen!") geschützt werden sollen, öffne sich ein weiter Horizont. "Die Abscheu vor Mord, Raub und Totschlag reicht nicht aus; wer diese Gebote wirklich ernst nimmt, muss sich um die positive Sicherung und die Förderung des Lebens und seiner Grundlagen bemühen!" Der Referent nannte als Beispiel den alltäglichen Konsum: Wer z.B. beim Genuss einer Tasse Kaffee oder beim Kauf eines Baumwoll-Hemdes sein Gewissen bemüht, könne sehr ins Grübeln kommen: "Entweder wird er erschrecken über lebensfeindliche Zustände auf den Anbauplantagen, über Hungerlöhne, unwürdige Arbeitsumstände und über gefährliche Chemikalien. Oder aber er wird mit Genugtuung feststellen können, dass aufgrund fairer Handelsbeziehungen, guter Arbeitsschutzgesetze und biologischer Anbaumethoden das Leben in positiver Weise gefördert wird." So werde eine einfache Kaufentscheidung zwischen "Schnäppchen-Superpreis" oder aber "fair und ökologisch" zu einer Frage der Beachtung des 5. und 7. Gebotes. Beispielhaft sei hier das Engagement der "Eine-Welt-Läden" und vieler kirchlicher Verbände. Suttner zeigte sich "froh und dankbar" dafür, dass Papst Franziskus in seiner Enzyklika "Laudato Si´" die aktive Liebe zur Schöpfung und die Absage an einen "zerstörerisch-ausbeuterischen Lebensstil" unmissverständlich als Christenpflicht definiert habe. Als Kern-Botschaft der 10 Gebote stellte Suttner fest: "Hüte dich vor dem Verlust der geistigen Freiheit; stelle dich der Verantwortung bei allen deinen Entscheidungen und lasse dich angesichts der großen Weltprobleme nicht zur Resignation verführen." Wir seien es unseren Enkeln und Urenkeln schuldig, alles dafür zu tun, den Planeten als guten Ort zum Leben zu erhalten. Soziale und ökologische Mindeststandards müssten weltweit durchgesetzt werden, um die Werte der 10 Gebote zu sichern. Aber auch im eigenen Land gebe es viel zu tun: "Dass die einen trotz harter Arbeit mit Minilöhnen auskommen müssen, während andere immer unvorstellbarere Reichtümer aufhäufen, widerspricht einer guten sozialen Ordnung, die seit jeher von der kirchlichen Soziallehre eingefordert wird." Im Schlusswort betonte ÖDP-Kreisvorsitzende Gabriela Schimmer-Göresz, dass eine Politik auf dem Fundament der Soziallehre wählbar sei: seit ihrem Bestehen setzt sich die ÖDP für eine ökologische und soziale Politik ein, die "nicht käuflich und enkeltauglich ist". Die Wende beginne bei jedem ganz persönlich - im Lebensstil und auch bei der Wahlentscheidung.

Copyright Fotos: Lucia Fischer

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