ÖDP sieht sich als Botschafter einer gemeinwohlorientierten Wirtschaft

Günter Grzega wirbt für das neue Wirtschaftsmodell   „88 Prozent der Deutschen wünschen sich eine andere Wirtschaftsordnung“, zitierte Günter Grzega eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, „eine Abkehr vom Neoliberalismus, der unsere demokratische Grundordnung zerstört“. So eröffnete der Wirtschaftsexperte seinen Vortrag „Gemeinwohl-Ökonomie statt Neoliberalismus“ bei der ÖDP-Veranstaltung vor 30 Zuhörern.

Die neoliberale Ideologie habe nur unbegrenztes Wachstum und den Profit ohne Rücksicht auf die Menschen zum Ziel, und ihr folgten blind die allermeisten Parteien mit ihren Wirtschaftsprogrammen. "Diese Wirtschaft tötet", bewertet selbst Papst Franziskus den Neoliberalismus in einem Lehrschreiben.

Dank persönlicher Kontakte konnte Peter Borel, der vor fünf Jahren selbst für die Ökologisch-Demokratische Partei zur EU-Wahl antrat, den Finanz- und Wirtschaftsexperten Günter Grzega zu diesem Vortrag nach Lindau holen. Dem verheerenden Neoliberalismus stellte der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Sparda-Bank München als Alternative das Modell der Gemeinwohl-Ökonomie gegenüber. Diese andere Art der Wirtschaft stelle den Menschen in den Vordergrund und ziele auf eine gerechtere Verteilung der Güter. Grzega sprach von einer Ökonomie der "Balancierten Ungleichheit". Nicht jeder muss genau das gleiche haben, aber alles muss in einem ausgewogenen Verhältnis sein. In der Realität sieht es in Deutschland aber derzeit ganz anders aus: 36 Milliardäre haben genauso viel Vermögen wie 40 Millionen

Deutsche an der unteren Einkommensskala. Oder anders: Die untere Hälfte der Deutschen besitzt nicht mehr als 1 % des gesamten Vermögens in Deutschland. Diese Ungleichheit ist für Grzega himmelschreiend und bedarf einer Kehrtwende, wie sie die Gemeinwohl-Ökonomie anstrebt. Sie ist ein umfassendes Wirtschaftsmodell, das von Unternehmern entwickelt wurde und zum Ziel hat, Wirtschaft und Gesellschaft zu einer gemeinwohlorientierten öko-sozialen Marktwirtschaft umzubauen. Was in der Bayerischen Verfassung steht, müsse endlich als Auftrag verstanden werden. In Artikel 151 heißt es: "Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl."

Alles Handeln, egal ob von Unternehmen, Kommunen, Politik oder Privatpersonen, muss nach den Grundsätzen abgeprüft werden: Dient es den Menschen? Dient es der Umwelt? Dient es dem Frieden? Unternehmen und Kommunen können mit Hilfe der zertifizierten Gemeinwohl-Bilanz nachweisen, dass sie nach den Grundsätzen der Gemeinwohl-Ökonomie handeln. Im Internet könne man, so der Wirtschaftsexperte, alle Anforderungen einer solchen Zertifizierung einsehen. Diese Idee habe sich seit 2011 bereits zu einer Bewegung in Europa und sogar in Afrika entwickelt, nun gelte es, sie bei der anstehenden Wahl ins europäische Parlament zu tragen. Immerhin hätten schon 500 Unternehmen und Organisationen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt, knapp 60 Gemeinden und Städte und 200 Hochschulen betrachten die Gemeinwohl-Ökonomie als Modell für eine gelingende Zukunft der Gesellschaft. Lindau wäre in Bayern die zweite Gemeinwohl-Kommune, wenn die Inselstadt diese Zertifizierung anstreben würde.

Obwohl überparteilich mit vielen Vorträgen unterwegs, freute sich der Referent, dass die ÖDP als einzige Partei die Gemeinwohl-Ökonomie voll in ihr Programm aufgenommen habe. Für die Europawahl wünschte er den Ökodemokraten endlich den durchschlagenden Erfolg, der nach dem erfolgreichen Volksbegehren überfällig sei und sich abzeichne.


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