zurück
Aus der Homepage der Freien Bürgerschaft Lindau
Bahnhof Lindau:
13.07.2011: Stellungnahme zur aktuellen Standortdiskussion zum Lindauer Bahnhof
Seit Beginn der Diskussionen um den richtigen Standort des Lindauer Hauptbahnhofs gibt es in der Freien Bürgerschaft Lindau Befürworter für eine Beibehaltung auf der Insel, sowie für eine Verlagerung auf das Festland. Grundsätzlich war es uns immer wichtig, dass die Insel im Hinblick auf eine zukünftige Bodensee-Gürtelbahn mit der Schiene angebunden bleibt. Stadträte der Freien Bürgerschat waren maßgeblich an der Ausarbeitung der bisherigen Position der Stadt beteiligt. Im Februar 1999 sagten die damaligen Vertreter der Deutschen Bahn AG einer Lösung mit einem Hauptbahnhof in Reutin, bei gleichzeitiger Beibehaltung einer Haltestelle für die Nahverbindungen auf der Insel zu. Leider lehnte der Stadtrat im Juni 1999 diese Lösung mit Stimmengleichheit (15:15) ab. In den Folgejahren versuchte die Bahn einen Hauptbahnhof in Reutin durchzusetzen. Gleichzeitige wurde auf Druck der Stadt eine Anbindung der Insel mit untersucht.
Eine Festlegung, dass es in Zukunft grundsätzlich nur noch einen Bahnhof und somit auch nur noch eine Haltestelle im gesamten Stadtgebiet geben wird ist neu. Auch gibt es zu den möglichen Kosten für die Stadt neue Informationen. Hinzu kommen die neuen Überlegungen in unserer Nachbarstadt Bregenz, welche auch Auswirkungen auf die Situation in Lindau haben können. Außerdem hat sich das Bayerische Wirtschaftsministerium, als zuständige Behörde für den Regionalverkehr, noch nicht zu der veränderten Situation geäußert. Daraus resultieren neue Fragen, die es vorab zu klären gilt. Die Freie Bürgerschaft Lindau wird in den nächsten Wochen mit den eigenen Mitgliedern in eine intensive Diskussion einsteigen. Auch sehen wir uns als politische Gruppierung in der Verpflichtung, die Lindauer Bürgerschaft in diesen Entscheidungsprozess einzubinden. Aufgrund der Wichtigkeit dieser Entscheidung für die Entwicklung unserer Stadt halten wir die Vorgehensweise von Frau Oberbürgermeisterin Seidl für richtig. Nur unter Einbindung der Bürger kann eine Entscheidung gefällt werden, die auch den Rückhalt in der Bevölkerung bekommt. Wahltaktische Gründe dürfen diese Entscheidung nicht beeinflussen. Im Gegensatz zur Bunter Liste und SPD halten wir die Lindauer für mündige Bürger. Am Ende sollten nach unserer Meinung die Lindauer Bürger über den zukünftigen Standort des Lindauer Bahnhofs entscheiden.
gez. Günther Brombeiß
08.08.2011:
Am 05.08.2011 fand im Bayerischen Wirtschaftsministerium eine Gesprächsrunde mit Vertretern des Ministeriums, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, der Deutschen Bahn AG, Frau Oberbürgermeisterin Seidl, Vertretern der Stadtratsfraktionen und der Stadtverwaltung statt. Als Ergebnisse gilt es festzuhalten, dass bei einer Entscheidung für einen Bahnhof nur auf der Insel die Fernverkehrsverbindung Zürich - München welche in den nächsten Jahren ausgebaut werden soll, nicht mehr in Lindau halten wird. Dass bei einer Entscheidung für einen Bahnhof in Reutin die Schienenanbindung der Insel nicht aufrecht erhalten bleibt und der Freistaat Bayern eine solche auch nicht bestellen wird. Dennoch setzte sich Frau Seidl vehement für weitere Haltestellen neben einem Hauptbahnhof im Stadtgebiet ein. Der Freistaat Bayern und im Besonderen die Bayerische Eisenbahngesellschaft haben Verständnis dafür gezeigt, dass der Wunsch am Bodensee besteht, die Insel weiterhin angebunden zu lassen, haben jedoch auch großes Interesse daran, dass alle Fernverkehrsverbindungen weiterhin in Lindau halten. Aus diesem Grund wird im Auftrag des Bayerischen Wirtschaftsministeriums geprüft, ob es möglich wäre, dass der Lindauer Hauptbahnhof auf der Insel bleibt und gleichzeitig eine Haltestelle in Reutin für die Fernverkehrszüge und die österreichischen Zugverbindungen eingerichtet wird. Der Freistaat Bayern wäre bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. Weitere Haltestellen werden jedoch abgelehnt. Die Deutsche Bahn erklärte, dass sie einer solchen Lösung gegenüber offen sei, eine zusätzliche Kostenbeteiligung lehne sie jedoch ab. Das Ergebnis dieser Untersuchungen soll bis Ende September vorliegen.
26.09.2011:
Die Berechnungen von Deutscher Bahn, der Bayer. Eisenbahngesellschaft und der Stadt ergaben, dass die zusätzlichen Kosten für die Stadt nach Abzug des Zuschusses des Freistaates Bayern für eine zusätzliche Haltestelle in Reutin 2,7 Mio. € (max. 3 Mio. €) kosten würde. Damit ergibt sich folgender Vergleich:
Hauptbahnhof Insel:
Ein Hauptbahnhof auf der Insel wird am besten den touristischen Anforderungen gerecht. Er stärkt die Insel als Stadtzentrum.
Auch bei einer Beibehaltung des Hauptbahnhofs auf der Insel werden dort erhebliche Flächen frei.
Der Inselbahnhof und die Zugänge würden auf einen wesentlich besseren Stand gebracht werden.
Bei einer Beibehaltung des Hauptbahnhofs auf der Insel nimmt der Schienenverkehr zwischen Holdereggenpark und Reutin nicht standortbedingt zu. Durch die Elektrifizierung der Strecke in Richtung München werden auch die meisten Güterzüge mit den wesentlich leiseren und schadstoffärmeren elektrischen Lokomotiven versehen. Aus diesem Grund werden wahrscheinlich keine Schallschutzmauern entlang der Bahnlinie am Aeschacher Ufer gebaut.
Die Züge der Fernverkehrsverbindung Zürich – München werden in Zukunft einen Inselbahnhof nicht mehr anfahren. Die Anzahl dieser Verbindungen soll nach Fertigstellung der durchgehenden Elektrifizierung erhöht werden.
Zur Anbindung der Westlichen Insel müssen Thirschbrücke und der Fußgängerüberweg erneuert werden. Außerdem sollte eine Unterführung für Radfahrer und Fußgänger am Eisenbahndamm, auf dem Festland entstehen.
Kosten für die Stadt: 2,77 Mio. €
Hauptbahnhof Reutin:
Ein Bahnhof in Reutin ist für die Mehrzahl der Lindauer besser erreichbar.
Es würde ein neuer, moderner Bahnhof errichtet werden, der jedoch nach den Ansprüchen der DB ausgerichtet wäre. Für die Einbindung einer späteren Bodensee-S-Bahn wären ergänzende Baumaßnahmen notwendig.
Mit der Verlegung des Hauptbahnhofs nach Reutin kann auf der Insel eine ununterbrochene Stadtentwicklung einschl. der Westlichen Insel erfolgen.
Bei einer Entscheidung für einen Hauptbahnhof in Reutin erhöht sich der Schienenverkehr zwischen Holdereggenpark und Reutin erheblich. Es entsteht dadurch ein Anspruch der Anlieger auf Schallschutz durch Schallschutzmauern.
Bei einem neuen Hauptbahnhof in Reutin ohne Schienenanbindung der Insel müsste entweder eine neue, direkte Busverbindung zwischen Reutin und der Insel eingerichtet oder der ZUP an den neuen Bahnhof verlegt werden. Eine Verlegung des ZUP würde bedeuten, dass Ober- und Unterreitnau, sowie Schachen nicht mehr im Halbstundentakt erreichbar wären. Ein Neubau eines Bahnhofs in Reutin bei gleichzeitiger Beibehaltung einer Schienenanbindung auf die Insel wird aufgrund der hohen Kosten nicht mehr weiter verfolgt.
Bei einer Verwirklichung der von der Bahn vorgelegten Planung für einen Reutiner Bahnhof würde der Verkehr in der Bregenzer Straße zusammenbrechen.
Kosten für die Stadt: 3,85 - 5,85 Mio. € (Abhängig vom Umfang der Straßenanbindung, Parkplätze usw.) Zusätzliche Kosten: mind. 520.000,-- € jährlich für eine direkte Busverbindung zur Insel.
Die Kombilösung
Das Bayerische Wirtschaftsministerium, welches für die Anzahl der Bahnhaltepunkte in Lindau zuständig ist, und die Bayerische Eisenbahngesellschaft möchten, dass weiterhin alle Schienen-Fernverbindungen in Lindau halten. Gleichzeitig besteht Verständnis dafür, dass die Insel möglichst angebunden bleiben soll. Aus diesem Grund brachte das Bayerische Wirtschaftsministerium eine Lösung mit Beibehaltung des Inselbahnhofs und einer Haltestelle in Reutin für Nah- und Fernverkehrszüge aus Österreich und Schweiz ins Gespräch. Der Freistaat Bayern würde sich an den Mehrkosten mit 3.5 Millionen Euro beteiligen. Die Verbindung zwischen dem Hauptbahnhof aus der Insel und der Haltestelle in Reutin könnte die halbstündige S-Bahn-Verbindung aus Österreich übernehmen. Eine entsprechende Bestellung würde der Freistaat Bayern erteilen.
Ein solcher Kompromiss könnte eine Spaltung der Lindauer Bevölkerung vermeiden.
Die Stadt würde bahntechnisch nichts verlieren, sie würde vielmehr eine zusätzliche Haltestelle dazugewinnen. Die Insel würde dadurch auf Dauer am Schienenverkehr angebunden bleiben, ohne dass Lindau auf den Halt der Fernverkehrsverbindungen verzichten müsste.
Damit wäre gesichert, dass eine zukünftige Bodensee-S-Bahn Haltestellen in Reutin, auf der Insel und in Aeschach vorfinden würde.
Kosten für die Stadt: -Haltestelle in Reutin: 2,7 – max.3,0 Mio. € + 2 Mio. für Anbindung (Straße, Parkplätze usw.)
-Thirschbrücke, Fußgängerüberweg, Unterführung Festland: 2,77 Mio. €
Gesamtkosten: ca. 7,5 bis 7,8 Mio. €
Auf Anregung von Frau Oberbürgermeisterin Petra Meier to Bernd-Seidl treffen die Bürgerinnen und Bürger von Lindau die endgültige Entscheidung in einem Ratsentscheid (Bürgerentscheid).
28.09.2011: Festlegung der Position der Freien Bürgerschaft Lindau zur Standortdiskussion zum Lindauer Bahnhof
Frau Oberbürgermeisterin Seidl und die Freie Bürgerschaft Lindau sprechen sich nach Gegenüberstellung aller Vor- und Nachteile der einzelnen Varianten für eine Umsetzung der Kombilösung aus. Dieses Ergebnis, das auch durch die Verhandlungen von Frau Seidl zustande kam, kommt den vielschichtigen Bedürfnissen unserer Stadt am nächsten. Einerseits ist es wichtig, dass das Tourismuszentrum Insel weiterhin auf der Schiene angebunden bleibt. Ein Schienenersatzverkehr auf der Straße könnte den bestehenden Bedürfnissen nicht gerecht werden. Andererseits bleibt Lindau bei dieser Lösung weiterhin ein fester Haltepunkt für den Schienenfernverkehr, was für den Wirtschaftsstandort Lindau von großer Bedeutung ist. Ein Bahnhof allein in Reutin würde Folgekosten mit sich bringen, die sich die Stadt nicht leisten kann. Auch eine Gefährdung des gesamten Stadtbussystems wäre die Folge. Bei einem Bahnhof allein auf der Insel würden die Fernverkehrszüge in Zukunft an Lindau vorbeifahren. Die endgültige Entscheidung sollten die Bürgerinnen und Bürger von Lindau in einem Ratsentscheid (Bürgerentscheid) treffen.
25.10.2011: Stadtrat entscheidet sich mit 20:10 Stimmen für die Kombilösung und verabschiedet ein Ratsbegehren, sodass die Bürgerinnen und Bürger am 11.12.2011 der Stadtratsentscheidung zustimmen oder sie ablehnen kann.
Aus dem Archiv:
April 1997: Deutsche Bahn und Bayer. Wirtschaftsministerium propagieren Lindau 21. Danach stehen drei Standorte für den zukünftigen Lindauer Hauptbahnhof zur Diskussion. Die sind Reutin, Karl-Bever-Platz oder Beibehaltung auf der Insel. Der Lindauer Stadtrat erklärt, dass er die Bahnfläche am Karl-Bever-Platz zu gering für einen ausreichenden Bahnhof hält.
August 2003: Minister Otto Wiesheu fordert die Stadt auf, die Planungen der Bahn (ohne Inselanbindung) uneingeschränkt zu akzeptieren. Dies obwohl seine eigene Fachleute in der Bayerischen Eisenbahngesellschaft die Position der Stadt Lindau unterstützen.
Januar 2004: Der Stadtrat lehnt einstimmig die Planung der DB AG eines Bahnhofs in Reutin ohne Schienenanbindung der Insel ab. Gleichzeitig wird vom Stadtrat einstimmig eine Alternativplanung für einen Bahnhof in Reutin mit einer Schienenanbindung der Insel verabschiedet.
April 2004: Die Regierung von Schwaben führt das Anhörungsverfahren zu den eingereichten Einsprüchen durch. Eine Annäherung der Positionen findet kaum statt.
April 2005: Die Bahn (Hr. Dr. Rauscher) erklärt erneut, dass sie einen Bahnhof auf der Insel anfahren würde, wenn dies vom Bayerischen Wirtschaftsministerium bestellt würde.
Juli 2007: Die Bahn (Hr. Pichler) erneuert ihre Aussage, dass sie einen Bahnhof auf der Insel erhalten und auch anfahren würde, wenn dies vom Bayerischen Wirtschaftsministerium bestellt würde. Es läge jedoch weiterhin keine Bestellung vor.
Mai 2008: Die Freie Bürgerschaft fordert Frau Oberbürgermeisterin Seidl erneut auf, eine belastbare Erklärung von Frau Staatsministerin Müller zur Inselanbindung einzufordern.
Juni 2008: Frau Staatsministerin Müller (CSU) sagt im Landtagswahlkampf gegenüber der Lindauer Zeitung zu, die Inselanbindung zu bestellen und zu finanzieren.
August 2008: Nach Aussage von Frau Staatsministerin Müller soll die Stadt Lindau im Wesentlichen die Kosten für die Inselanbindung (20 bis 25 Millionen Euro) übernehmen.
Juni 2011: Die Deutsche Bahn erklärt, dass sie das Planfeststellungsverfahren für einen Bahnhof in Reutin abbricht. Die Stadt solle noch 2011 entscheiden, ob der Bahnhof in Zukunft in Reutin oder auf der Insel sein soll. Sollte keine Entscheidung von der Stadt getroffen werden, bleibe der Bahnhof auf der Insel.
September 2011: Der Bayerische Wirtschaftsminister Zeil (FDP) spricht sich für einen möglichen Kompromiss (Hauptbahnhof auf der Insel + Haltestelle für Fernverkehrsverbindungen in Reutin) aus. Er sagt zu, dass sich der Freistaat Bayern an den Kosten mit 3,5 Mio. Euro beteiligen würde.