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Lindauer Zeitung, 3.12.2011
OB-Kandidaten bekräftigen ihre Standpunkte – Rothfuß operiert mit veralteten Zahlen
Doch diese Zahlen sind da schon überholt. Kurz bevor die OB-Kandidaten sich den Fragen von LZ-Lokalchef Dirk Augustin stellen, kursieren mehrere Briefe, die OB Petra Seidl am späten Nachmittag an alle Fraktionsvorsitzenden und die Medien weitergeleitet hat. Darin bestätigen die Verkehrsplaner der Firma SMA, dass Rothfuß veraltete Zahlen als Basis hat.
Derweil schreibt die Bayerische Eisenbahngesellschaft, dass beide Varianten, was
die Fahrzeiten angeht, gleichwertig sind. Rothfuß ficht dies nicht an, er
arbeitet weiter mit seinen Zahlen. Er ist ist auch nicht bereit, zu verraten,
wer seine Berechnungen überhaupt gemacht hat. Auf dem entsprechenden Flugblatt
steht auch nicht, wer dafür verantwortlich ist.
Dies bringt ihm die Kritik seiner Kontrahenten ein. Seidl hält ihm vor, dass
sein Reisezeitenvergleich irreführend sei. Ecker, der sich nur selten in die
Diskussion einschaltet, bezweifelt, ob drei Minuten weniger Fahrzeit wirklich
der entscheidende Punkt sind, wenn es um die Frage Auto oder Bahn geht. „Pendler
brauchen eine gute Erreichbarkeit des Bahnhofs mit Stadtbus und Fahrrad,
natürlich auch mit dem Auto, aber mit dem kommen die wenigsten“, hat er, selbst
jahrelang Pendler, beobachtet.
Klar war: Er steht mit seiner Meinung allein. Seine drei Mitbewerber favorisieren die Kombilösung. Daran hat sich, wie erwartet, bis zum Ende der Diskussion nichts geändert. Rothfuß zeigte sich verwundert, dass sich anscheinend die bislang Verantwortlichen nie mit Fahrplanfragen beschäftigt hatten. „Sie sind halt nicht vom Fach“, erklärte er Amtsinhaberin Seidl. Was Seidl und Strauß mit dem Satz konterten, dass der Stadtrat auch keine Fahrpläne zu erstellen habe.
Kritik an Rothfuß-Variante
Die Rothfuß-Variante der Inselanbindung geriet nicht nur wegen den wenig konkreten Zahlen zur Kosten und Finanzierung (siehe dritte Lokalseite) in die Kritik. „Diese Variante wurde bereits 2008 verworfen, weil uns die SMA klar empfohlen hat, auf einem zweiseitigen Inselanschluss zu bestehen“, so Seidl.
Auch Gerhard Ecker schlug in die gleiche Kerbe: „Nur mit dem Hauptbahnhof auf der Insel und dem Bahn- halt in Reutin halten wir uns alle Optionen offen“, erklärte er. Zudem warf er Rothfuß vor, den Zeitfaktor nicht zu berücksichtigen. Für einen Hauptbahnhof Reutin wäre ein neues Planfeststellungsverfahren notwendig. Während Rothfuß Neu-Ulm als Beispiel nannte, wo das Verfahren nur neun Monate gedauert habe, verwiesen die drei anderen Kandidaten auf die normale Laufzeit, die wesentlich länger sei. Zumal auch mit Klagen von Betroffenen zu rechnen sei.
Ecker warf Rothfuß vor, er gebe mit dem Inselbahnhof ein Gut aus der Hand, das Lindau weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt gemacht habe. Seidl stellte heraus, bei der Kombilösung handele es sich um eine durchgerechnete und zeitnah realisierbare Variante. Auch Strauß wollte den Schwebezustand endlich beendet wissen. „Dann hätte Lindau elf Bahnsteigkanten und wäre gerüstet für die Zukunft.“
Rothfuß hingegen sprach davon, die Insel dynamisieren zu wollen mit verstärktem Handel. Um dies zu erreichen, wollte er einen Bürgerideenwettbewerb initiieren.
(Erschienen: 02.12.2011 19:35)
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