Atomrüstung

Plutonium und das Kartell des Schweigens

In Hanau und in der Elbmarsch liegen strahlende Kügelchen in Wohngebieten. Untersuchungen sind unerwünscht, ihre Ergebnisse brisant.

Dieser Bericht ist ein Auszug aus einem entsprechenden Artikel in der Nummer 19 der Zeitschrift Publik-Forum, Zeitung kritischer Christen, vom 11. Oktober 2002. Autor des Artikels ist Sebastian Pflugbeil, promovierter Physiker und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Strahlenschutz.

In Marschacht an der Elbe in unmittelbarer Nachbarschaft zum Siedewasserreaktor Krümmel und zur Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schifffahrt und Schiffbau (GKSS) ist die weltweit höchste Leukämierate bei Kindern zu beklagen. Neue Untersuchungen liefern brisante Erkenntnisse. Die Einrichtung der schleswig-holsteinischen Leukämiekommission 1992 war eine Forderung der Grünen. Je konkreter die Ergebnisse wurden, desto geringer war das Interesse der Regierung an weiterer Aufklärung.
Deshalb nahmen Fachleute und der Bürgermeister von Roth die Sache selbst in die Hand. Inzwischen wurden mit Unterstützung der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Nuklearkrieges - Ärzte in Sozialer Verantwortung sehr aufwändige Untersuchungen durchgeführt. Vor zwei Jahren haben erfahrene Wissenschaftler aus dem Bereich Kernphysik und Kerntechnik, die sich in der Arbeitsgemeinschaft für Physikalische Analytik und Messtechnik (ARGE PhAM) zusammengeschlossen haben, in der Elbmarsch Bodenproben genommen.
Sie fanden im Boden sogenannte PAC-Kügelchen, das sind millimetergroße harte Hohlkügelchen, die im Inneren kleinste Mengen unterschiedlicher Radionuklide (radioaktives Material) enthalten. Sie werden in der Kernspaltung und bei der Kernfusion verwendet bzw. produziert. Unter den Radionukliden fand sich auch Plutonium, welches schon in kleinsten Mengen hoch strahlengiftig ist. Es gibt viele Verwendungszwecke für diese PAC-Kügelchen, z.B. in einem Kernforschungszentrum wie der GKSS. Natürlich will die GKSS niemals mit solchen Kügelchen gearbeitet haben. Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit hat allerdings kürzlich bescheinigt, dass PAC-Kügelchen großtechnisch in Hanau hergestellt wurden. Sogar das Ministerium für Staatssicherheit der DDR ist damals auf eigenartige Aktivitäten in Norddeutschland aufmerksam geworden.
Die Wissenschaftler der ARGE PhAM haben eine Reihe von Isotopen in den Kügelchen gefunden, die nicht aus Kernkraftwerken oder Forschungsreaktoren, wohl aber aus militätischen Entwicklungen mit schnellen Neutronen stammen können.
Wenn bei GKSS tatsächlich an atomaren Mikroexplosionen gearbeitet wurde, wäre plausibel, warum von den Politikern und Forschungsinstituten niemand darüber reden möchte, es gibt schließlich viele Paragraphen, die eine deutsche Atombombe verhindern sollen. Umso mehr, als etwas schief gegangen sein muss, denn warum liegen in der Elbmarsch kernbrennstoffhaltige Kügelchen auf der Straße herum? Zudem wurde dies viele Jahre verschwiegen - peinlich, so etwas zugeben zu müssen. Peinlich auch für die Gutachter des Öko-Institutes, die in der Elbmarsch tätig waren und - angeblich - nichts gefunden haben.
Inzwischen wurden bei genaueren Bodenuntersuchungen die radioaktiven Stoffe, die sich innerhalb der PAC-Kügelchen befinden sollten, frei im Boden entdeckt. Diese Mikromengen sind mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar und können wie Staub mit einem Lufthauch in Bewegung versetzt und somit auch eingeatmet werden.
Angesichts der schamlosen Lügen der Polotiker und Institute, des bedenkenlosen Inkaufnehmens von Leukämieerkrankungen, des Schweigens staatsloyaler Wissenschaftler könnte man verweifeln. Andererseits könnte die ganze Wahrheit ans Licht kommen - schneller, als mancher glaubt.

Persönliche Anmerkung: Radioaktiver Staub in der Luft ist sicherlich noch heimtückischer, gefährlicher und unmittelbarer tödlich als Mobilfunk, aber im Verhalten von Politik, Industrie und Forschungsinstituten im Zusammenhang mit Mobilfunk drängen sich Parallelen auf. Xaver Fichtl

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