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"Wir achten Tabus - Forschung und
Technik müssen ethische Grenzen respektieren"
Scheibner, der auch stellvertretender Vorsitzender der "Überparteilichen bayerischen Plattform gegen Atomgefahr, insbesondere aus Temelin, e.V." ist, nahm in seinem beeindruckenden Vortrag am 24. Mai im Bayerischen Hof in Lindenberg Stellung zu den Risiken für die Menschheit, die von der Nutzung der Atomenergie und der grünen und roten Gentechnik ausgehen.
Pressebericht des ödp-Kreisverbandes:
"Forschung und Technik müssen ethische Grenzen respektieren", forderte Bernd Scheibner, Mitglied des Landesvorstandes der ödp-Bayern in seinem Vortrag in Lindenberg. Es darf nicht sein, dass Gewinnstreben und politische Verantwortungslosigkeit die Zukunft unserer Kinder und Enkel auf diesem Planeten auf Dauer gefährden.
Offensichtlich gebe es immer wieder Menschen, die aufgrund ihres Forschungs-drangs, ihrer Selbstüberschätzung, ihres Gewinnstrebens oder schlicht aus Verantwortungslosigkeit Dinge freisetzen, die sich ähnlich wie das Öffnen der "Büchse der Pandora" nicht mehr rückgängig machen ließen. Scheibner nannte hier als größte Gefahren für die Menschheit die Atomtechnik sowie die grüne und rote Gentechnik.
Im ersten Teil seines Vortrags ging er auf die Risiken und Gefahren der Kernenergie ein. Derzeit gibt es in Deutschland 17 Atomkraftwerke (AKW), weltweit 440. Nur 27% des deutschen Strombedarfs aber werden damit gedeckt. Allein durch Wegfall der "stand by"-Regelungen bei Elektrogeräten könnten zwei Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Nach Feststellung von Bernd Scheibner, der gleichzeitig auch stellvertretender Vorsit-zender der "Bayerischen Plattform gegen Atomgefahr e.V." ist, befinden sich viele der ausländischen AKWs in einem äußerst bedenklichen Zustand. Aber auch die deutschen AKWs geben zu Sorge Anlass. Nach einer Studie der Gesellschaft für Reaktorsicherheit erfolgen jährlich 130 bis 150 meldepflichtige Störfälle in deutschen Atomkraftwerken, die vom Bundesumweltministerium erfasst und veröffentlicht werden. Störfälle sind auf technisches oder menschliches Versagen oder Naturkatastrophen zurück zu führen. Oft sind sie harmlos, können aber unter ungünstigen Bedingungen bis zum "Super-GAU" (Größter anzunehmender Unfall) wie in Tschernobyl führen. "Die Folgen eines Super-GAUs im dicht besiedelten Deutschland wären unvorstellbar", warnte Scheibner. "Eine große Fläche Deutschlands wäre wegen der hohen Verstrahlung unbewohnbar und müsste entsiedelt werden." Zudem seien einige deutsche AKWs besonders durch Terroranschläge aus der Luft gefährdet, neuerdings wird das Gefährdungspotenzial der AKWs durch die Zwischenlager in unmittelbarer Nähe der Reaktoren noch erheblich erhöht. Daher fordere die ödp mit Nachdruck einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie.
Zur "grünen Gentechnik" in der Landwirtschaft verwies Bernd Scheibner zunächst darauf, "dass der Mensch, seit er Ackerbau betreibt, versucht höhere Erträge zu erzielen." So habe er Pflanzen durch Auslese, Kreuzung und Züchtung im Sinne seiner Bedürfnisse versucht zu ändern. Dies sei allerdings immer "im Gespräch mit der Natur" und nicht gegen die Natur geschehen. Heute greife der Mensch mit der Genmanipulation gewaltsam in eine der Grundstrukturen der Schöpfung ein. Die Pflanze wird reduziert auf ihre DNA, ihre Chromosomen im Zellkern. Es werden nur noch Teilaspekte der Pflanze betrachtet. Sie werde als Produktionsmittel mit erwünschten oder nicht erwünschten Eigenschaften gesehen und auf Laborniveau reduziert. Der Einfluss von Natur und Umwelt bzw. die Auswirkungen auf Natur und Umwelt spielen keine Rolle. Ob Giftgene oder bakterielle Giftstoffe auch andere Insekten oder Bodenlebewesen schädigen können, interessiere nicht. Imker fürchten inzwischen um die Zukunft ihrer Bienen und die Produktion einwandfreien Honigs. Die oft propagierten Sicherheitsabstände zwischen Feldern mit genmanipuliertem und herkömmlichen Saatgut zur Verhinderung des Pollenfluges sind unsinnig. Der Wind kann Pollen, Sand und Staub über hunderte von Kilometern tragen. Die ödp fordert deshalb ein striktes Verbot der Ausbringung von genmanipuliertem Saatgut. Dies richtet sich vor allem gegen den Freistaat Bayern, der auf seinen Versuchsgütern weiter gentechnisch verändertes Saatgut ausbringt. Die Aufgabe des Freistaates kann es nicht sein, die Interessen einzelner Wirtschaftsunternehmen gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen. Scheibner verweist aber auch auf zwei Erfolge: Am 9. Mai wurde die Nachricht veröffentlicht, dass das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz den Verkauf des Saatgutes der genmanipulierten Mais-Sorte Mon 810 praktisch verboten hat. Gleichzeitig wurde ein Urteil des VG Augsburg bekannt, das einem Imker Recht gegeben hatte, der gegen Gen-Verschmutzung im Honig durch den Versuchsanbau auf dem Staatsgut Kaisheim geklagt hat.
Mit den Worten "die Herstellung menschlichen Lebens zu Forschungszwecken ist pervers", wandte sich Scheibner gegen Klonexperimente zum Zwecke des therapeutischen Klonens. Dadurch hoffen Wissenschaftler chronische Krankheiten zu besiegen und sogar Behinderungen rückgängig zu machen. Die hierfür erforderlichen Stammzellen können jeder Nabelschnur entnommen werden. Im Einzelfall würden wohl auch adulte Stammzellen ausreichen. Wer dafür embryonale Stammzellen herstellen will, muss menschliche Embryonen töten. Dies ist in Deutschland durch das Embryonen-Schutzgesetz verboten. Folgerichtig dürfte dann auch die Einfuhr von im Ausland her-gestellten embryonalen Stammzellen nicht erlaubt sein. Dieser Widerspruch zeige deutlich, dass auch hier die Wissenschaft, und in der Folge die Wirtschaft, den Fuß in der Tür habe. "Moral und ethische Grundsätze werden im Interesse von Wissenschaft und Wirtschaft zur Seite gestellt", bedauerte Scheibner.
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