Gedankenaustausch zum Thema Mobilfunk im Bereich Schule
Braucht ein Kind ein Handy?
Unter dieser Schlagzeile berichtete die Lindauer Zeitung vom Informationsabend zum Thema Mobilfunk und Jugend am 28.Januar in der Lindauer Inselhalle. Xaver Fichtl, Elternbeirat der Staatlichen Knaben-Realschule Lindau, und das Staatliche Schulamt hatten hierzu eingeladen.
In einem ersten Referat kam Professor Dr. Jörg-Peter Güttler von der FH Ulm zu Wort, der als Fachmann für Hochfrequenztechnik gilt , aber auch in der Biophysik, einem Bindeglied zwischen der Technik und Medizin, tätig ist. Zunächst zeigte er die Vielfalt der verschiedenen natürlichen und technischen elektromagnetischen Felder auf, die den Menschen heute umgeben. Es sei zwar nachgewiesen, dass Membrane in den Zellen von Organismen hierdurch beeinflusst würden, jedoch könne man hier noch nicht von positiven oder negativen Einflüssen sprechen. Jedoch räumte Prof. Güttler ein, dass die durch Funkwellen bestrahlten Personen nachweislich unter Ermüdungserscheinungen und Stressgefühlen litten.
Wer eine Basisstation (DECT) mit einem schnurlosen Telefon besitzt, der setzt sich selber einer entsprechenden Strahlung aus. Besonders betroffen sind hiervon Kinder und Jugendliche, deren Zellen und speziell deren Gehirnzellen bis zum 25. Lebensjahr noch in ihrer Entwicklung stehen. Technisch gesehen strahlt ein Handy um so mehr, je schlechter der Empfang vom nächsten Sender ist. Wer also Angst habe sich unnötig zu bestrahlen, der soll Orte aussuchen, die einen guten Empfang bieten, und nicht z.B. im Keller telefonieren. Im Großen und Ganzen sah Prof. Güttler in der Mobilfunktechnik aber keinen Grund zur Panik, da ihm zu wenige Zusammenhänge zu Gesundheitsgefährdungen bewiesen seien.
In einem anschließenden Kurzreferat ließ Herr Sommer von der Bürgerinitiative Stiefenhofen erkennen, weshalb hinter den bestehenden zu hohen Grenzwerten kommerzielle Interessen zu vermuten sind. Die häufig zitierte ICNRP sei nicht, wie man glauben könnte, eine internationale Organisation wie die WHO, sondern lediglich ein Verein, in dem auch die Interessen der Mobilfunkanbieter vertreten würden.
Schulamtsdirektor Dieter Käfferlein sah die Problematik aus schulischer Sicht. Die Frage müsse erlaubt sein: Braucht ein Kind in der Schule wirklich ein Handy? Gegen dennoch mitgebrachte Handys werde jedoch nichts unternommen, wenn sie ausgeschaltet seien. Bei Verstößen könnten die Lehrkräfte ein Handy auch abnehmen und es später den Eltern wieder aushändigen. Bei Prüfungen seien Mobiltelefone generell verboten. Man solle auch respektieren, dass sich mancher Mitbürger durch den Gebrauch von Handys belästigt fühlt. Eine Verteufelung wäre hier jedoch unsinnig.
Ulf Kähler, als letzter Referent, machte auf die wirtschaftliche Bedeutung des Mobilfunks aufmerksam. Das Handy steht bei Kindern und Jugendlichen so hoch im Kurs wie nie. Es bietet den Teenies genau das an, worauf es in diesem Alter ankommt: Unabhängigkeit, Individualität, Rebellion, Erwachsenen-Image und Gruppenzugehörigkeit. Diese Begriffe beinhalten bereits die Gründe, weshalb es für Eltern und Lehrer so schwer ist, pädagogischen Einfluß zu nehmen.